Zwischen Literatur und Politikum – Die Geschichte des Reclam Verlags

Nahezu jedem Schüler und jeder Schülerin sind sie ein Begriff: die kleinen gelben Reclam-Hefte, die man im Deutschunterricht meist entweder zu hassen oder zu lieben lernt. Was aber die wenigsten wissen, ist, dass der Reclam Verlag auf eine bewegte Historie zurückblickt, in der er sich immer wieder im Zwiespalt zwischen freier Veröffentlichung von Literatur und politischer Einflussnahme befand.

Die Anfänge

Die Geschichte des Reclam Verlages beginnt im Jahr 1828, als sich der damals 21-jährige Anton Philipp Reclam von seinem Vater Charles Henri Reclam 3.000 Taler geliehen hat und damit das sogenannte „Literarische Museum“ in seiner Heimatstadt Leipzig kaufte. Dabei handelte es sich um eine Leihbibliothek mit einem eigenen Lesesaal, die vom bekannten deutschen Autor Thomas Mann anlässlich des 100. Verlagsjubiläums des Reclam Verlages wie folgt beschrieben wurde:

„Das so genannte Museum war eigentlich kein Museum, sondern ein gefährlich lebensvoller Ort: eine Stätte der Lektüre, der Diskussion, der Kritik! Wo alles verkehrte, was im guten Leipzig der falschen und frömmlerischen Ordnung aufsässig war“

(Thomas Mann am 01.10.1928, https://www.deutschlandfunkkultur.de/reclam-leipzig-ade-100.html).

Damit würdigte er zugleich den liberalen, progressiven und politischen Geist Anton Philipp Reclams, der sich auch noch nach der offiziellen Gründung des „Verlag[s] des literarischen Museums“ am 01.10.1828 zeigen sollte. 

Zunächst verkaufte Anton Philipp Reclam das „Literarische Museum“ im Jahr 1837 jedoch wieder und benannte den Verlag in „Philipp Reclam jun.“ um. Bereits zwei Jahre später kaufte er außerdem eine Druckerei in Leipzig, was es ihm ermöglichte, größere Auflagen, darunter z. B. Bibel-Ausgaben und das „Schmidtsche französische Handwörterbuch“ zu drucken.

Der politische Einfluss

In den darauffolgenden Jahren standen der Reclam Verlag und auch Anton Philipp Reclam selbst dem vorherrschenden konservativen Zeitgeist durch eine progressive Gesinnung und ein politisches Verlagsprogramm sehr konträr gegenüber. Der Verlag war beispielsweise mit der politischen Vormärzbewegung von 1830-1848 verbunden, die die Gründung eines deutschen Nationalstaats und die Abschaffung der Fürstenherrschaft forderte und veröffentlichte Zeitschriften wie z. B. die Leipziger Locomotive, der aufgrund von demokratischer Aufrührigkeit bereits sehr schnell die Konzession entzogen wurde. 

In Österreich-Ungarn wurde der Verkauf von Reclam-Büchern 1846 sogar verboten, da diese als antihabsburgerisch angesehen wurden. 

Derweil wurde Anton Philipp Reclam selbst 1848 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, da der Verlag Thomas Paines‘ Werk „Das Zeitalter der Vernunft. Eine Untersuchung der wahren und unwahren Theologie“ veröffentlicht hatte, das die organisierte christliche Religion hinterfragt und angreift.

Nachdem im gleichen Jahr die Märzrevolution scheiterte, verlagerte der Reclam Verlag sein Interesse weg vom politisch Aufrührerischen hin zum erfolgreichen Unternehmertum und konzentrierte sich so vor allem auf klassische Bildungswerke mit hoher Auflagenzahl.

Die Universal-Bibliothek

Mit diesen Bildungswerken einher, ging auch der Vorläufer von Reclams Universal-Bibliothek, die bis heute die größte Buchreihe des Verlags darstellt: eine 1865 erschienene Reihe von 25 Bänden von Dramen des britischen Autors William Shakespeare.

Offiziell entstanden ist die Reihe von literarischen Klassikern zum kleinen Preis allerdings erst, nachdem am 10. November 1867 eine neue Regelung der deutschen Bundesversammlung in Kraft trat, die das (literarische) Urheberrecht betrifft. 

Sie besagte, dass das Urheberrecht deutscher Autoren künftig auf 30 Jahre nach dem Tod befristet sei, wodurch z. B. Werke von Goethe oder Lessing gemeinfrei wurden und so von Verlegern gedruckt werden konnten, ohne dass sie dafür Geld bezahlen mussten. 

Der erste Band der Universal-Bibliothek war eine Ausgabe des Dramas „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe.

Die Neuregelung des Urheberrechts in Kombination mit modernen Produktionsmethoden und wirksamen Marketingstrategien ermöglichte es, dass die Bände der Universal-Bibliothek anfangs zum sehr günstigen Preis von 2 Silbergroschen verkauft werden konnten. 

Aufgrund dieses Preises ermöglichte der Reclam Verlag so auch weniger wohlhabenden Familien den Zugang zu klassischer Literatur und trug so zur Verbreitung von Literatur als Kulturgut bei.

Durch den großen Erfolg der Reihe wurde die Universal-Bibliothek schnell ausgebaut, wobei ab 1867 ca. 140 neue Titel pro Jahr erschienen. Dazu zählten nun auch europäische Literatur, antike und philosophische Werke, Operntexte und vieles mehr.

Nachdem der Verlagsgründer Anton Philipp Reclam 1896 starb, übernahm sein Sohn Hans Heinrich Reclam die Verlagsleitung.

Der Verlag gewann derweil immer mehr an Bedeutung und Größe, sodass im Jahr 1908 der 5.000. Band der Universal-Bibliothek erschien.

Ab 1912 wurden für den Verkauf der Bücher zudem sog. Buchautomaten eingesetzt, die in Bezug auf Funktion und Aufbau heutigen Getränke- oder Snackautomaten gleich kommen. Mehr als 2.000 Stück von ihnen waren bald darauf an öffentlichen Orten wie z. B. Bahnhöfen oder Krankenhäusern zu finden.

Die Zeit des Nationalsozialismus

Als in Deutschland um 1933 die Zeit des Nationalsozialismus anbrach, nahm auch der Reclam Verlag Werke von jüdischen und regimekritischen Autoren wie Thomas Mann oder Heinrich Heine aus dem Programm, weil sie aufgrund der faschistischen Weltanschauung der Nationalsozialisten nicht mehr veröffentlicht werden durften.

Der Zweite Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs kam wie auch während des ersten eine tragbare Feldbibliothek heraus, die aus einem robusten Kasten mit 100 unterschiedlichen Reclam-Ausgaben bestand und es Soldaten so ermöglichte, auch in den Frontlagern Reclam-Bücher zu lesen. Darüber hinaus dienten Reclam-Umschläge während des Zweiten Weltkriegs aber auch zur Tarnung von Widerstandsliteratur, da sie aufgrund ihrer hohen Verbreitung nicht weiter auffielen.

Im Jahr 1943 wurde bei einem Bombenanschlag auf Leipzig auch das Verlagsgebäude des Reclam-Verlages getroffen, wodurch ca. 9.000 Zentner Universal-Bibliotheksbände zerstört wurden.

Die Teilung des Verlags

Nachdem 1945 der Zweite Weltkrieg ein Ende fand, wurde Deutschland unter den Siegermächten in verschiedene Besatzungszonen aufgeteilt, wodurch Leipzig unter sowjetische Besatzung geriet. Die politische Einflussnahme und Demontage durch diese Besatzung veranlassten Verlagsinhaber Ernst Reclam 1947 schließlich dazu, in Stuttgart, damals Teil der amerikanischen Besatzungszone, eine neue Verlagsfiliale, die „Reclam Verlag GmbH“ zu gründen. 

Während diese Filiale 1950 zum Stammsitz des Verlages erklärt wurde, kam es zu einer Teilenteignung des Verlagsstandortes Leipzig, wodurch das Unternehmen fortan als „Verlag mit staatlicher Beteiligung“ weitergeführt wurde. In Leipzig wurden weiterhin primär Literaturklassikern herausgegeben, nun aber auch vermehrt Werke von DDR-Autoren.

Derweil fokussierte sich der Reclam-Verlag in Stuttgart, der anfangs nur 8 Bände der Universal-Bibliothek im Programm hatte, zunächst auf die Publikation der Universal-Bibliothek für Schulen und Universitäten. Als diese 1967 ihren 100. Geburtstag feierte, waren schon wieder über 1.100 Bände erhältlichen und im Jahr 1970 erschien die Reihe erstmals im klassisch gelben Design.

Die Wiedervereinigung

Als es 1990 nach dem Mauerfall zur Gründung der gesamten Bundesrepublik Deutschland kam, stand der Reclam Verlag vor der Frage, wie es mit den zwei Verlagsfilialen weitergehen sollte, da der Verlag in Leipzig aufgrund fehlender Lizenzen keine Bände der Universal-Bibliothek veröffentlichen durfte.

Nachdem der Leipziger Verlag 1992 reprivatisiert wurde, entstand aus ihm die Tochtergesellschaft „Reclam Bibliothek Leipzig“. In den folgenden Jahren beschäftigte sich der Verlag in Leipzig hauptsächlich mit der Akquise von neuen Autor[-innen] und der Übersetzung von unter anderem niederländischen und schwedischen Autoren, während der Verlag in Stuttgart die Universal-Bibliothek weiterführte. 

Im Jahr 2005 wurde der Reclam Verlag in Leipzig, bei dem zu diesem Zeitpunkt nur noch vier Mitarbeiter tätig waren, schließlich geschlossen.

Der Reclam Verlag in Stuttgart existiert weiterhin und nimmt pro Jahr ca. 150 neue Bücher ins Verlagsprogramm auf, darunter natürlich auch Werke für die älteste deutschsprachige Taschenbuchreihe, die Universal-Bibliothek.

 

Quellen:

  • https://www.deutschlandfunkkultur.de/reclam-leipzig-ade-100.html
  • https://www.reclam.de/info_pool/wir_ueber_uns
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Reclam-Verlag
  • https://reclam-museum.de/Themen-von-A-bis-Z/Hundert-Jahre-Reclam-1928/
  • https://www.reclam.de/verlag/ueber-reclam

Buchrezension: Meine REAL LIFE Story und die Sache mit Gott

Meine Real Life Story und die Sache mit Gott ist eine Autobiografie von Philipp Mickenberger. Das Buch wurde 2020 im Verlag ADEO veröffentlicht. Es kostet 20,00€, ist gebunden und hat 225 Seiten inklusive Fotoseiten. Es geht um den YouTuber Philipp Mickenberger, der 3 mal Krebs hatte.

Das Buch ist sowohl für Leute, die an Gott glauben, als auch für Leute, die nicht an Gott glauben. Außerdem ist das Buch für die Leute, die Hoffnung und Mut brauchen. Das Buch ist für diese Personen, weil in ihm eine echte Geschichte mit viel Mut und Hoffnung erzählt wird. 

Der Klappentext beschreibt die Handlung des Buches wie folgt: 

Hättest du gedacht, dass eine Badewanne fliegen kann? Ist es verrückt, an das Unmögliche zu glauben, auch wenn alle anderen sagen, dass es nie funktionieren wird? Gut, etwas verrückt muss man wohl sein, um mit der Badewanne zum Bäcker zu fliegen oder 10 Meter tief in einem selbstgebauten U-Boot zu tauchen.

Das ist meine Geschichte. Meine Real Life Story hinter der Kamera. Nicht- beschönigt, nicht geschnitten. Die Geschichte, wie ich als Kind ultrastrenggläubiger Eltern aufgewachsen bin und mit dem frommen Zeug absolut nichts zu tun haben wollte. Wie ich gemeinsam mit meinem Zwillingsbruder und einer Badewanne als „The Real Life Guys“ auf YouTube bekannt wurde. Wie ich Krebs bekam und Gott meine ganz schön dreiste Challenge annahm: „Wenn es dich gibt, dann mach mich gesund!“ Wie unsere Schwester bei einem Flugzeugabsturz starb und wir das irgendwie überstanden. Und wie ich endlich raffte, dass tausend „Zufälle“ keine Zufälle waren. Wenn du denkst, dass es Gott nicht gibt oder dass es langweilig oder irgendwie crazy ist, an ihn zu glauben, solltest du dieses Buch besser nicht in die Hand nehmen. Oder vielleicht erst recht.

Ich finde das Buch toll, weil es eine echte, sehr emotionale Geschichte ist. Das Buch ist sehr spannend zu lesen und bringt einen zum Nachdenken. Außerdem finde ich, man sollte dieses Buch lesen, weil es Hoffnung bringt und Mut macht. Das Buch macht deutlich, dass man sein Leben genießen soll, weil es jeder Zeit zu Ende sein kann.

Und die Story geht weiter: Es gibt noch das Buch Unsere Real Life Stories von Janet Müller. In diesem geht es um die Geschichten von den Freunde und Bekannten von Philipp und darum, wie sie die Geschichte erlebt haben.  

Quellen:

 https://do-something.de/products/meine-real-life-story-und-die-sache-mit-gott (letzter Zugriff: 06.06.2024) 

https://www.amazon.de/Unsere-Real-Life-Stories-Geschichten/dp/3863343476/ref=sr_1_1?crid=3NT1YGTSKEIOX&dib=eyJ2IjoiMSJ9.uHd7q6nLBQCPrYvFyWoy8SZAuyuAanFzdYTrTMvgsBKODWKW5Km-3GsYY2ZW0Sj0MUUtAKJbyJs309a8p_DG65svZ0CBgwDj3TzUj_i95E6O_iAI2g-OOtRKY4wzrqFyyqoMZkeYQnwobZHFbXQaE1hXlnrB_GUpvPjF49XxRLbcD0wXXhxmOebwtEsG63wj6KYWFtj5t3H5-dF45jA8UeOIvEEcz9pv8y9Ii5iJjHE.Sj1r_9LbgfyjaANHYE8WY0n908kLdbJ1VxXqSxmvEfU&dib_tag=se&keywords=unsere+real+life+stories+janet+m%C3%BCller&qid=1718886111&sprefix=Unsere+Real+life+%2Caps%2C84&sr=8-1  (letzter Zugriff: 20.06.2024) 

 

Carsten Wollenhaupt 5a

Frauen der Geschichte

Jeder kennt Frauen wie Kleopatra , Königin Viktoria oder Katharina die Große, aber es gibt auch andere Frauen, die nicht ganz so bekannt sind und trotzdem in den Geschichtsbüchern seien sollten.  In diesem Artikel werden deswegen eher unbekanntere Frauen kommen, die nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen haben.

Tomyris Hatun

Sie war eine Königin der südöstlich des Aralsees siedelnden Massageten, gegen sie wurde 530 v.Chr. einen Feldzug unternommen von Perserkönig Kyros den Zweiten, der in diesem fiel. In Herodots (griechischer Schriftsteller) Bericht, schrieb er, das Kyros das Reich von Tomyris einnehmen wollte, nachdem sie Witwe und Alleinherrscherin geworden war. Und dies sogar anfangs friedlich, denn er machte ihr einen Heiratsantrag, den sie ablehnte. Woraufhin er den Feldzug unternahm. Als er schließlich am Fluss Jaxartes ankam, übermittelte sie ihm das Angebot, dass er entweder drei Tagesmärsche in ihr Reich vorrücken oder umgekehrt ihr ebenso ein weiten Vorsprung in sein reich erlauben sollte. Damit dann die Entscheidungsschlacht geführt werden kann. Schlussendlich rückte Kyros vor und lockte einen Drittel ihrer Armee in eine Falle. Bei einem der Überfälle wurde auch ihr Sohn gefangen genommen. Aus Scham begann er Selbstmord. Bevor Tomyris davon erfahren konnte, forderte sie seine Freilassung und drohte, das wenn ihr Sohn nicht frei gelassen werden würde, sie die Blutrünstigkeit des Königs sättigen würde. Kyros allerdings ignorierte diese Drohung und rüstete sich weiter zum Kampf. Im Kampf gegen Tomyris fiel er schlussendlich und sie machte ihre Drohung war.

 

Theodora Kaiserin von Byzan

Theodora wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater, welcher früh verstarb, war Tierwärter und ihre Mutter Schauspielerin. Dadurch das ihre Mutter Schauspielerin war, verbrachte  Theodora viel Zeit am Theater und arbeitete dort auch, angeblich arbeitete sie auch als Prostituierte neben dem Schauspielern, bevor sie dann von einem Liebhaber nach Alexandria gebracht wurde. Leider wurde sie dort von ihm zurückgelassen. Dort wurde sie dann von einer Christengemeinde bekehrt und bekam die Möglichkeit nach Hause nach Byzanz  zu gehen. In Byzanz arbeitet sie damals als Spinnerin und mit 25 begegnete sie Justinian, den Neffen des Kaisers. Er brachte seinen Onkel dazu das Gesetz, welches Justinian verbot Frauen mit zweifelhaften Ruf zu heiraten, aufzuheben, um Theodora zu heiraten. Schließlich bestieg am 1. April 527 das Paar den Thron.

Während ihrer Regentschaft war sie immer eine ebenbürtige Mitregentin und verbesserte die Lage vieler Frauen. Zum Beispiel kümmerte sie sich darum das Frauen einen eigenen Besitz haben durften. Die Scheidungsgesetze wurden geändert und die Schauspielerei war kein geächteter Beruf mehr. Sie verteidigte den Thron und gewann auch eine blutige Schlacht gegen die Aufständigen. Als Theodora starb ließ Justinian ihr ein Denkmal errichten in Form wunderbarer  Mosaiken. Diese sind in der Kirche San Vitale zu Ravenna abgebildet, wobei das Paar als Vorbild für Machtbewusstsein, Schönheit und Wohltätigkeit steht.

 

Nzinga Mbandi – Königin aus Angola

Sie ist eine Nationalheldin in Angola, dort hat sie nämlich während der Kolonialzeit (17. Jahrhundert) Politik mit den Kolonialmächten auf Augenhöhe gemacht und Briefe mit dem Papst ausgetauscht.

Nzinga Mbandi regierte über das Königreich Ndongo und das benachbarte Königreich Matamba, was heute Angola heißt. Bekannt wurde sie dadurch, das sie den portugiesischen Invasoren zweieinhalb Jahrzehnte Widerstand leistete. Als die Portugiesen die Hauptstadt Ngolas einnahmen organisierte sie den Widerstand und verbündete sich dann später mit dem holländischen Konkurrenten Portugals im Sklavengeschäft. Sie hatte ihr Leben lang wechselvolle Siege und Niederlagen und starb schließlich im Alter von 80  Jahren (1663). Ihr Königreich Matamba war bis dahin unabhängig und sie galt bei vielen afrikanischen Völkern später als Symbol für Kampf,Freiheit und der Unabhängigkeit. Nur leider konnte sie den Weg der Portugiesen ins Landesinnere nicht aufhalten.

Nachwort

Wenn man gerne mehr über die bestimmten Frauen lesen/hören möchte kann man unten den Quellen folgen wobei eine sogar zu einem ungefähr 30 minütigen Video führt.

Quellen:

Tomyris – Wikipedia

https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/theodora

Nzinga Mbandi – Königin aus Angola, die den Kolonialisten trotzt – COSMO Lost Sheroes – COSMO – Podcasts und Audios – Mediathek – WDR

Nzinga of Ndongo and Matamba – Wikipedia

Das 4. Advents-Spezial

Zum vierten Advent möchten wir euch eine kurze Weihnachtsgeschichte zeigen. Viele kennen bestimmt den Disney Film Fronen –  aber kennen Sie auch das ursprüngliche Märchen, was dahinter steckt?

 

Die Schneekönigin
Seht, nun fangen wir an. Wenn wir am Ende der Geschichte sind, wissen wir mehr als jetzt, denn es war ein böser Zauberer, einer der allerärgsten, es war der Teufel! Eines Tages war er recht bei Laune, denn er hatte einen Spiegel gemacht, welcher die Eigenschaft besaß, dass alles Gute und Schöne, was sich darin spiegelte, fast zu Nichts zusammenschwand, aber das, was nichts taugte und sich schlecht ausnahm, das trat hervor und wurde noch ärger. Die herrlichsten Landschaften sahen wie gekochter Spinat darin aus, und die besten Menschen wurden widerlich oder standen auf dem Kopfe ohne Rumpf, ihre Gesichter wurden so verdreht, dass sie nicht zu erkennen waren, und hatte man einen Sonnenfleck, so konnte man versichert sein, dass er sich über Nase und Mund ausbreitete. Das sei äußerst belustigend, sagte der Teufel. Fuhr nun ein guter, frommer Gedanke durch einen Menschen, dann zeigte sich ein Grinsen im Spiegel, so dass der Zauberteufel über seine künstliche Erfindung lachen musste. Alle, welche die Zauberschule besuchten, denn er hielt Zauberschule, erzählten rings umher, dass ein Wunder geschehen sei; nun könne man erst sehen, meinten sie, wie die Welt und die Menschen wirklich aussehen. Sie liefen mit dem Spiegel umher, und zuletzt gab es kein Land oder keinen Menschen, welcher nicht verdreht darin gewesen wäre. Nun wollten sie auch zum Himmel selbst auffliegen, um sich über die Engel und den lieben Gott lustig zu machen. Je höher sie mit dem Spiegel flogen, um so mehr grinste er, sie konnten ihn kaum festhalten; sie flogen höher und höher, Gott und den Engel näher; da erzitterte der Spiegel so fürchterlich in seinem Grinsen, dass er ihren Händen entflog und zur Erde stürzte, wo er in hundert Millionen Stücke zersprang. Da gerade verursachte er weit größeres Unglück als zuvor, denn einige Stücke waren so groß als ein Sandkorn, und diese flogen rings herum in der weiten Welt, und wo Leute sie in das Auge bekamen, da blieben sie sitzen, und da sahen die Menschen Alles verkehrt, oder hatten nur Augen für das Verkehrte bei einer Sache, denn jede kleine Spiegelscherbe hatte dieselben Kräfte behalten, welche der ganze Spiegel besaß. Einige Menschen bekamen sogar eine kleine Spiegelscherbe in das Herz, und dann war es ganz gräulich; das Herz wurde einem Klumpen Eisen gleich. Einige Spiegelscherben waren so groß, dass sie zu Fensterscheiben gebraucht wurden, aber durch diese Scheiben taugte es nichts, seine Freunde zu betrachten. Andere Stücke kamen in Brillen, und dann ging es schlecht, wenn die Leute diese Brillen aufsetzten, um recht zu sehen und gerecht zu sein. Der Böse lachte, dass ihm beinahe der Bauch platzte, und das kitzelte ihn angenehm. Aber draußen flogen noch kleine Glasscherben in der Luft umher. Nun werden wir`s hören.

Autor: Hans Christian Andersen

 

Wir wünschen Ihnen frohe und besinnliche Weihnachten!

 

Quelle:

https://www.weihnachten.me/weihnachtsunterhaltung/weihnachtsgeschichten/84

Weihnachtsgedicht zum dritten Advent

Anlässlich unseres diesjährigen Advents-Specials haben wir auch am dritten Advent wieder ein Weihnachtsgedicht für Euch und Sie rausgesucht. Das heutige Gedicht habe ich ausgesucht, weil es, meiner Meinung nach, obwohl es schon vor über 100 Jahren veröffentlicht wurde, immer noch auf unsere aktuellen Sorgen und Nöte in der Welt bezogen werden kann. Bei so viel Leid und Hass in der Welt wünschen wir uns am Ende des Jahres doch eigentlich nichts mehr als Frieden für alle. Deshalb möchte ich mit dem von mir ausgesuchten Gedicht auf die Besinnlichkeit und Ruhe, die die Weihnachtszeit für viele von uns mit sich bringt und die gerade in der stressigen Vorweihnachtszeit oft zu kurz kommt, aufmerksam machen. Viel Spaß beim Lesen und einen besinnlichen dritten Advent!

Friede auf Erden

 

Wie ist die Welt so kalt!
Schneelast drückt schwer
Auf der Tanne Geäst,
Und traurig und sanglos
Kauern auf blattlosem Zweig
Hungernde Vögel.

So liegt auf den Völkern
Schneeschwer die eiserne Hand
Des Kriegsgottes, dem mehr wir opfern,
Als unsern Waisen und Armen,
Und traurig schaut das Auge
Ueber die Winterwelt der Menschheit.

Da horch! Wie Engelstimmen
Klingt aus dem hellen Kirchlein
Der Kinder Jubelchor:
Friede auf Erden!
Mir ziehts durch die Seele, als müßte
Der Frühling über die Völker kommen,
Der Frühling des Friedens.

 

von Johannes Brassel (1848 -1916) 

Quelle: weihnachtsgedichte-und-mehr.de

Zweiter Advent

Passend zum zweiten Event haben wir, im Rahmen unseres Advent-Spezials, wieder ein Gedicht für euch.

Dezember und Weihnachten

Bezaubernd ist die Winterzeit,

wenn’s zahllos feine Flocken schneit.

Die Landschaft trägt ihr Festtagskleid,

und Weihnachten ist nicht mehr weit.

Der Tannenbaum steht schon bereit.

Das Fest verheißt Glückseligkeit,

und Wünsche sind gewiss nicht rar.

Vielleicht wird einer davon wahr.

Die schönste Feier ist im Jahr

der Heiligabend – wunderbar.

Christa M. Beisswenger

Quelle : https://www.weihnachtsgedichte24.de/advent-kurz/

Advents-Spezial

 

Liebe Leser und Leserinnen,

Wir, das Freigeist Team, haben uns für euch ein Advents Spezial ausgedacht. Und zwar wird das so ablaufen, dass wir an jedem Advent ein Gedicht hochladen werden und am 4. Advent wird es eine Kurzgeschichte geben. Wir hoffen, dass es euch gefallen wird und wünschen euch eine schöne Adventszeit.

Euer Freigeist Team

Schon wieder ist es Weihnachten

Schon wieder ist es Weihnachten,
das Jahr ging schnell vorbei,
so manche Pläne, die wir machten,
durchkreuzt vom Einerlei.
und doch, bei Kerzenschein beseh’n,
war dieses Jahr auch schön.
Laßt dankbar sein für jeden Tag,
wenn wir am Christbaum steh’n.
Wer weiß, wie’s wird im nächsten Jahr,
wir hoffen, es wird gut.
Gesundheit, Glück im nächsten Jahr
und ganz viel frohen Mut!

wenn wir am Christbaum stehn.
Laßt dankbar sein für jeden

Autor: Ruth Stille

 

 

Quelle

https://www.weihnachts-gedichte.net/

„Ich bin Mouayad“ – Die Geschichte eines geflüchteten Norderstedters

Obwohl Mouayad eigentlich ein ganz normaler 14-Jähriger aus Norderstedt ist, der ein Gymnasium besucht, Fußball spielt und Freude am Schreiben hat, hat er bereits eine dramatische Geschichte hinter sich. Mouayad ist ein Geflüchteter aus Syrien, der schon im frühen Kindesalter mit bedrohlichen und lebensgefährlichen Situationen während seiner Zeit in Syrien und seiner Flucht konfrontiert wurde. Situationen, die sich die meisten Jugendlichen aus Norderstedt kaum vorstellen können.

Mouayads Geschichte

Mouayad zu Beginn seiner Flucht aus Syrien

Diesen Sommer hat Mouayad seine Erlebnisse zu Papier gebracht: In seinem Buch „Ich bin Mouayad“ beschreibt der 14-Jährige, wie er den Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien im Jahr 2011 in Erinnerung hat und wie er die Zeit in seinem Heimatland nach Anbruch des Krieges erlebt hat. Außerdem erzählt er die erschütternde Geschichte von seiner Flucht nach Deutschland und wie er und seine Familie es geschafft haben, sich hier in Norderstedt ein neues Leben aufzubauen und sich in die Gemeinschaft zu integrieren.

3 Fragen an Mouayad

 

1. Was hat dich dazu bewegt, ein Buch über deine Geschichte zu schreiben? 

„Ab Mitte des letzten Schuljahres kamen bei mir immer wieder Gedanken an meine Flucht hoch und ich habe angefangen, mich stärker mit dem Thema zu beschäftigen. Erst habe ich zwar mit niemandem darüber geredet, aber schon angefangen, kleine Erinnerungen an diese Zeit aufzuschreiben. Irgendwann habe ich der Schulsozialarbeiterin unseres Gymnasiums davon erzählt, während ich immer mehr Erinnerungen aufgeschrieben habe. Die Geschichten haben sie sehr bewegt und sie erzählte mir von einem Wettbewerb, bei dem man sein eigenes Buch veröffentlichen konnte. Das hat mich angespornt und ich wollte meine Geschichte für alle erzählen und veröffentlichen. Mir hat es gut getan, meine Erlebnisse in schriftlicher Form zu verfassen, auch wenn das Format des Buches leider nicht den Platz für alle Erfahrungen während meiner Flucht geboten hat.“

 

2. Hast du vor, noch weitere Bücher bzw. Geschichten zu schreiben?

„Früher hat mir das Schreiben eigentlich nicht viel Spaß gemacht, doch durch dieses Buch habe ich gemerkt, wie viel Freude es mir macht, Geschichten zu verfassen. Im Moment schreibe ich fiktive Kurzgeschichten – es geht um Abenteuer, Lustiges und auch mal Trauriges. Wenn ich neben meinen anderen Hobbys und der Schule Zeit habe, setze ich mich gerne hin und überlege mir neue Geschichten oder ich schreibe Gedanken auf, die mir irgendwo kamen.“

 

3. Was möchtest du deinen Leser*innen mitgeben?

„Ursprünglich habe ich das Buch eigentlich nur für meine Familie und mich geschrieben. Mich hat es total überwältigt, wie viel positive Resonanz ich erfahren habe und wie viele Menschen mein Buch schon gelesen haben. Vielleicht kann ich mit meinem Buch dazu beitragen, dass ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass hinter jedem Geflüchteten eine eigene Geschichte steht und dass das Schicksal dich ganz plötzlich aus einer normalen, heilen Welt reißen kann.“

Persönliche Meinung

Ich hatte bereits die Gelegenheit, Mouayads Buch zu lesen und möchte diesen Artikel nutzen, um eine persönliche Empfehlung auszusprechen. Obwohl man über die tragischen Ereignisse, die Mouayad in seinem Buch schildert,  aus den Medien schon viel gehört hat, hat mir die Geschichte aus der Perspektive eines Schülers einen ganz neuen Blickwinkel auf das Schicksal der Betroffenen des syrischen Bürgerkrieges eröffnet. Nicht nur die Erlebnisse des Jugendlichen selbst, sondern auch Mouayads Erzählweise sind ungemein mitreißend und lassen einen persönlichen und authentischen Einblick in das bisherige Leben des 14-Jährigen zu. Man liest nicht nur über die grausamen Fakten, von denen man aus den Medien erfährt, sondern Mouayad bietet dem Leser/der Leserin eine Mischung aus Tragik, Angst, Freude, Trauer und ganz viel Mut. Für mich handelt es sich bei „Ich bin Mouayad“ um ein Must-Read für Jung und Alt, denn der Schüler aus Norderdstedt trägt eine wirklich außergewöhnliche Geschichte in sich, die es sich zu lesen lohnt.

Wo kann ich das Buch kaufen?

Quelle: amazon.de

Mouayads Buch kann man im Norderstedter Buchhandel oder online bei fast jedem Bücher-Onlineshop bestellen. Wenn ihr jetzt also Lust bekommen habt, mehr über Mouayad zu erfahren, sucht einfach nach dem Titel des Buchs oder der ISBN-Nummer:

„Ich bin Mouayad“ von Mouayad Hamzeh-Alamam, ISBN: 978-3-7108-8537-2

Viel Spaß beim Lesen!

Besuch der Ausstellung „Aschkenas“

„Aschkenas“ – mit diesem Wort aus dem Hebräischen bezeichneten im Frühen Mittelalter eingewanderte Juden ihre neue Heimat im westlichen Mitteleuropa, dem später gegründeten Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Während wir beim Thema „Jüdisches Leben in Deutschland“ zunächst vor allem an dessen Verfolgung und Vernichtung in der Zeit des Nationalsozialismus denken, verlief das Zusammenleben von Christen und Juden während der ersten Jahrhunderte in relativem Frieden miteinander.

Den wechselvollen Kapiteln des jüdischen Lebens in Deutschland gingen wir, die Klasse 10b, während eines Besuchs der Ausstellung „Aschkenas“ am 10.10.2023 in der Friedrichsgaber Johanneskirche auf den Grund. Im Anschluss an eine informative Einführung in das Thema durch Frau Pastorin Wallmann konnten wir anhand von 20 Schautafeln und eines Frage- / Rallyebogens die Geschichte des jüdischen Lebens auf deutschem Territorium nachverfolgen. 

Wir erfuhren von der Blütezeit dieses Lebens in den sogenannten SchUM-Städten am Rhein (die Abkürzung bezieht sich auf die hebräischen Anfangsbuchstaben der Städte Speyer, Worms und Mainz), die mit Papst Urbans Aufruf zum (1.) Kreuzzug im Jahr 1096 ein jähes Ende fand, weil man glaubte, nicht nur die Muslime im sogenannten Heiligen Land, sondern auch Andersgläubige in der eigenen Nachbarschaft bekriegen zu müssen. Nach Plünderungen und Morden an der jüdischen Bevölkerung wanderte ein großer Teil der Überlebenden nach Osteuropa, vor allem ins Königreich Polen, aus. Aus den Versatzstücken der von den Migranten gesprochenen deutschen Sprache und Wörtern aus dem Hebräischen sowie slawischen Sprachen entwickelte sich dort das Jiddische, von der Bevölkerung Osteuropas häufig als „Dajtsh“ (=Deutsch) bezeichnet.

Weil man sie für Kindesentführungen und -morde, Schändungen von christlichen Heiligtümern sowie Brunnenvergiftung (also die Pest) verantwortlich machte und ihnen Wucher und Betrug vorwarf, blieb die Situation für die meisten der auf deutschem Gebiet verbliebenen Juden weiterhin schlecht. Sie durften keine handwerklichen Berufe erlernen, keinen Grund und Boden besitzen, und regelmäßig kam es zu antijüdischen Ausschreitungen (Pogromen). Erst mit der von Otto von Bismarck vorangetriebenen Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 wurde in dessen eigentlich ja antiliberaler Verfassung eine rechtliche Gleichstellung der in Deutschland lebenden jüdischen Bevölkerung festgeschrieben. Antijüdische Klischeevorstellungen bleiben allerdings auch in der Zeit der juristischen Gleichstellung während des Kaiserreichs und der Weimarer Republik in den Köpfen vieler Menschen verankert, und zu den religiösen Vorurteilen kamen zunehmend rassenantisemitische Irrlehren, von denen unter anderem Hass-Zeichnungen von Juden mit langen Hakennasen, abstehenden Ohren und krummen Beinen zeugen. Zudem wurden Juden für den verlorenen 1. Weltkrieg (Dolchstoßlegende), die Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit ab 1929 und überhaupt alle negativen Begleiterscheinungen der Moderne verantwortlich gemacht. 

„Rassenkunde“ wurde während der NS-Zeit Unterrichtsstoff an den Schulen, und mit dem Boykott-Tag am 1. April 1933 vollzog sich unter den Augen der Öffentlichkeit und deren teils aktiven Teilnahme die voranschreitende Entrechtung und Verfolgung der Juden, deren grausamer Höhepunkt in der Vorkriegszeit die brutalen Ausschreitungen während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 waren, ein Ereignis, das sich in diesem Herbst zum 85. Mal jährt. Nach dem November-Pogrom, früher häufig verharmlosend als „Reichskristallnacht“ bezeichnet, konnte kaum noch ein Zweifel darüber bestehen, was das nationalsozialistische Deutschland mit der jüdischen Bevölkerung im eigenen Land und später in den während des Krieges besetzten Gebieten vorhatte…

Für die meisten von uns bot der Besuch der Ausstellung eine Veranschaulichung von Themen, die wir im Laufe unserer bisherigen Schulzeit in den Fächern Geschichte und Religion im Unterricht behandelt haben – allerdings nie so zusammenhängend, wie es die Ausstellung darstellt. Zugleich boten das Thema und der Besuch der Ausstellung in einer Kirche viele Anknüpfungspunkte an den Roman „Sansibar oder der letzte Grund“, den wir gerade im Deutsch-Unterricht lesen.

Die lohnenswerte Ausstellung kann noch bis zum 27.10.2023 in der Johanneskirche in der Bahnhofstraße 77 besucht werden.

 

 

Besuch der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Während der nationalsozialistischen Diktatur (1933-1945) unter Adolf Hitler kamen zahlreiche Menschen in Konzentrationslagern ums Leben. Um an die grausamen Taten dieser Zeit zu erinnern, wurden die meisten dieser Lager zu KZ-Gedenkstätten umfunktioniert. So auch das Konzentrationslager Neuengamme im Süd-Osten Hamburgs, das wir, die Klasse 9b, vor Kurzem besucht haben.

Historischer Hintergrund

Im Januar 1933 wurde Adolf Hitler von der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) zum Reichskanzler ernannt. Im Laufe des Jahres hob die NSDAP die Grundrechte auf und es kam teils durch Verbote, teils durch Auflösung anderer Parteien dazu, dass die NSDAP zur Staatspartei des damaligen Deutschlands wurde. Im folgenden Jahr erlangte Adolf Hitler nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg die absolute Macht. Diese nationalsozialistische Diktatur sollte bis zum Ende des 2. Weltkriegs im Jahr 1945 andauern. Das erste Konzentrationslager wurde bereits im März 1933 in Dachau eingerichtet. Mit der Zeit kamen immer mehr solcher Lager hinzu, bis im Dezember 1938 auch das KZ Neuengamme gegründet wurde. Zunächst diente dieses als Außenlager für das KZ Sachsenhausen, doch 1940 wurde es zu einem eigenständigen Konzentrationslager.

Häftlinge in den Konzentrationslagern

Zunächst wurden vor allem Oppositionelle, also politische Gegner der NSDAP, in die Konzentrationslager gebracht. Zu ihnen zählten zum Beispiel Mitglieder der links ausgerichteten Partei KPD (Kommunistische Partei Deutschland) oder der damaligen SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschland). Durch das Einsperren dieser Menschen wollte sich das Terror-Regime um Adolf Hitler vermutlich die absolute Macht in Deutschland sichern. Doch mit der Zeit wurden auch immer mehr Menschen dorthin gebracht, die in der faschistischen Rassentheorie der Nationalsozialisten einer sog. „minderwertigen Rasse“ angehörten. Hierzu zählten unter anderem Menschen jüdischer Abstammung oder Glaubens sowie Sinti und Roma. Des Weiteren wurden auch Homosexuelle und sog. „Bibelforscher“, wie man die Zeugen Jehovas damals nannte, in den Lagern eingesperrt. Auch Obdachlose, die als „Asoziale“ bezeichnet wurden, kamen in die Konzentrationslager. Ebenso wurden Kriminelle in die Konzentrationslager gebracht. Ironischerweise wurden diese trotz dessen, dass sie wirklich etwas verbrochen haben, meist besser behandelt als die Menschen, die nur aufgrund der xenophoben Einstellung der Nationalsozialisten im KZ waren, also wegen ihrer Kultur, Meinung oder Lebensform eingesperrt und misshandelt wurden. Seit 1942 wurden immer mehr Menschen aus den von Deutschland besetzten Gebieten wie zum Beispiel aus Polen ins KZ-Neuengamme gebracht.

Leben im Lager

Im KZ angekommen, wurden den Menschen sämtliche persönliche Gegenstände genommen, was über Kleidung und Schmuck bis hin zu ihren Namen reichte. Anstelle dessen bekam jeder Häftling eine Nummer zugewiesen und erhielt eine der blau-weiß gestreiften monotonen Uniformen mit einem Dreieck, das den Grund der Verhaftung angab und über die weitere Behandlung im Lager entschied. Man bekam ein rotes Dreieck, wenn man ein Oppositioneller war, ein grünes Dreieck, wenn man Berufsverbrecher war, und immer so weiter. Bei Menschen jüdischen Glaubens wurde diesem Dreieck ein zweites, gelbes hinzugefügt, sodass ein Stern entstand. Ein rot-gelber Stern grenzte somit an ein Todesurteil.
Die Menschen bekamen kaum Essen und es herrschten katastrophale hygienische Bedingungen. Je näher man der Schließung des Lagers kam, desto mehr Menschen waren auf kleinstem Raum zusammengepfercht. Zunächst gab es nur Holzbaracken, in denen die Häftlinge lebten, später wurden auch Klinkerhäuser errichtet, die noch heute auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte stehen. Die Holzbaracken wurden inzwischen abgerissen, an sie erinnern nun Schuttaufschüttungen an den Stellen, wo sie einst gestanden haben. In den Baracken standen dreistöckige Etagenbetten, in denen sich jeweils zwei bis drei Menschen auf jeder Etage einen Schlafplatz teilen mussten.

Arbeit im Lager

Die Häftlinge mussten im Konzentrationslager schwerste körperliche Arbeit zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter unter Schlägen, Prügel und Misshandlung verrichten. Je nach Arbeitskommando führten die Arbeitsumstände zu Krankheiten und schlimmstenfalls zum Tod. Die wohl härteste Arbeit gab es im Baukommando, da die Häftlinge hier jedem Wetter schutzlos ausgeliefert waren. Viele von ihnen starben. Wenig später kam mit dem Ausbau der Dove-Elbe ein neuer gefürchteter Arbeitsplatz hinzu. Im Klinkerwerk, das sich ebenfalls auf dem Gelände befindet, stellten die Häftlinge Ziegelsteine (auch Klinker genannt) aus Ton her, den sie unter körperlicher Schwerstarbeit abbauen und zum Klinkerwerk befördern mussten. Eine größere Chance aufs Überleben bot die Arbeit in den Rüstungsfabriken. Hier waren die Häftlinge mehr vor der Witterung geschützt und wurden auch etwas besser behandelt, da die Herstellung von Waffen mehr Konzentration erforderte und bedeutsamer war. Der Spruch „Arbeit macht frei“, der unter anderem über dem Eingang des Konzentrationslagers Auschwitz hing, erscheint einem absurd, geradezu zynisch, in Anbetracht der Menschen, die durch die Arbeit in den Konzentrationslagern schwer krank geworden sind oder gar starben.

Krankheiten im Lager

Die mangelnde Nahrung, die desaströsen hygienischen Bedingungen und die harte Arbeit führten dazu, dass sich Krankheiten im Konzentrationslager sehr schnell verbreiten konnten. Am häufigsten traten Magen-Darm-Erkrankungen auf. Im Jahr 1942 kam es auch zu einer Flecktyphusepidemie, woraufhin das gesamte Lager unter Quarantäne gestellt werden musste. Nur wenige kranke Häftlinge wurden im sog. Krankenrevier aufgenommen, in dem es an Medikamenten und Platz fehlte. Dennoch konnten diejenigen, die dort behandelt wurden, wieder ein wenig zu Kräften kommen und auf die Versetzung in ein anderes Kommando hoffen, in dem weniger schwere körperliche Arbeit zu verrichten war.
Einige Häftlinge wurden medizinischen Experimenten der Lagerärzte unterzogen. Hauptsächlich sollte es hierbei um die Tuberkuloseforschung gehen. Fast alle, die Opfer der grausamen Prozedur wurden, starben. Da in Neuengamme eigentlich ausschließlich Erwachsene interniert waren, wurden hierfür auch jüdische Kinder aus dem KZ Auschwitz nach Neuengamme gebracht, denn selbst vor ihnen machten die Lagerärzte mit diesen menschenverachtenden medizinischen Experimenten nicht halt.

Hinrichtungen und Tote

Insgesamt starben im KZ Neuengamme schätzungsweise um die 50.000 Häftlinge, wovon allerdings nur circa die Hälfte namentlich bekannt ist. Viele Menschen kamen aufgrund der Bedingungen im Lager zu Tode. Viele starben in Folge der Misshandlung durch die Aufseher oder wurden während ihrer Arbeit an der Dove-Elbe gar ertränkt. Im Jahr 1943 galt das Konzentrationslager als zentrale Hinrichtungsstätte, in der unter anderem Polizei- und Justizgefangene erschossen oder erhängt wurden. Es sind zwei Fälle bekannt, bei denen Häftlinge mit Zyklon B vergast wurden. Hierzu wurden mehrere hundert Menschen in den Arrestbunker gesperrt, in den kurze Zeit später das tödliche Giftgas gefüllt wurde. An den Bunker erinnern heute lediglich seine Fundamente. Hier wurden am 3. Mai, dem Jahrestag der Lagerräumung, Blumengestecke als Zeichen der Erinnerung niedergelegt.

Von dem Krematorium, in dem die Toten verbrannt wurden, steht heute nur noch der Schornstein. Er erinnert an die tausenden Male, an denen Leichen verbrannt wurden, die auf grausame Weise gestorben sind.
Es gab unter den Toten nachweisbar weniger Frauen als Männer, was zum einen daran lag, dass Frauen zu dieser Zeit sehr viel weniger in der Politik aktiv waren als Männer und es somit auch weniger weibliche Oppositionelle gab. Zum anderen haben sich die Frauen in den Konzentrationslagern häufig untereinander verbündet und konnten sich so gegenseitig helfen, was oftmals ihr Überleben sicherte.

Auflösung des Konzentrationslagers

Im Jahr 1945 begann die schrittweise Räumung des Konzentrationslagers Neuengamme. Teils zu Fuß, teils in überfüllten Bussen wurden die Häftlinge von den Konzentrationslagern in sog. „Auffanglager“ gebracht. Kurz bevor Deutschland den 2. Weltkrieg verlor, galt es für die Nationalsozialisten, die schrecklichen Verbrechen zu vertuschen. Skandinavische Häftlinge wurden mithilfe der „weißen Busse“ des skandinavischen Roten Kreuzes aus dem Konzentrationslager befreit und nach Schweden gebracht. Über 9.000 Häftlinge wurden in Lübeck auf die zwei Schiffe „Cap Arkona“ und „Thielbeck“ gebracht, weil keine Auffanglager mehr zur Verfügung standen. Doch am 3. Mai gerieten die beiden Schiffe in Brand, wobei die meisten der Häftlinge ums Leben kamen.
Im „Haus des Gedenkens“ der KZ-Gedenkstätte hängen an den Wänden weiße Stoffbahnen mit den Namen aller Toten, die namentlich bekannt sind. Am 3. Mai, dem letzten Tag des KZ Neuengamme, sind hier mit Abstand die meisten Namen zu finden, da die Nationalsozialisten kurz vor der Räumung abermals hunderte Menschen umgebracht haben, damit es keine Zeugen für ihre Verbrechen gab.

Weitere Nutzung des Konzentrationslagers

Nach der Auflösung des Konzentrationslagers wurde dort zunächst ein Internierungslager eingerichtet, in dem u. a. Funktionsträger der NSDAP oder SS-Mitglieder isoliert wurden. Ab 1948 entstand auf dem Gelände eine Justizvollzugsanstalt, zu der im Laufe der Zeit auch ein Neubau hinzukam. Hauptsächlich wurden hier männliche Verbrecher untergebracht. Zwischenzeitlich gab es aber auch eine Jugendjustizvollzugsanstalt in Neuengamme. Das Gefängnis wurde im Jahr 2006 geschlossen und abgerissen und es entstand die KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Diese umfasst mehrere Ausstellungen in den ehemaligen Gebäuden des Konzentrationslagers. Unser Rundgang führte zunächst zu den Klinkerhäusern. Hier befindet sich die Zeitspurenausstellung, in der es hauptsächlich um die Opfer des Lagers geht. In Biografien kann man den Grund der Inhaftierung und das Leben im Lager verschiedenster Häftlinge lesen, die durch verschiedene Exponate des Lagerlebens und Informationstafeln unterstützt werden. Außerdem erzählt die Ausstellung viel über die Entstehungszeit bis hin zum Ende und zur Nachnutzung des Geländes. In einem alten Fahrzeugschuppen der SS wurde eine weitere Ausstellung eingerichtet, die sich hauptsächlich den Tätern des Konzentrationslagers widmet. Auch hier erfährt man durch Biografien mehr über ihre Lebenssituation und es wird über Verurteilungen bzw. Gerichtsprozesse von Mitarbeitern des Lagers informiert. Egal, ob es nur ein unbedeutender Sachbearbeiter, Sekretär oder der Lagerführer Max Pauly war, sie alle trifft die Schuld Menschen gequält, misshandelt und getötet oder nichts gegen ihr Leiden unternommen zu haben. Auf dem Weg zum heute stillgelegten Klinkerwerk begegnen einem die Überreste einer Mauer des ehemaligen Gefängnisses und die Dove-Elbe. Das Haus des Gedenkens bildete den Abschluss unserer Führung. Hier sind, wie bereits erwähnt, alle namentlich bekannten Todesopfer des Konzentrationslagers schriftlich verewigt worden.

 

In diesem Jahr ist die Befreiung des Konzentrationslagers 78 Jahre her. In den insgesamt 7 Jahren, die es das Konzentrationslager gab, kamen unzählige unschuldige Menschen nur deshalb ums Leben, weil sie der faschistischen Weltanschauung der Nationalsozialisten nicht entsprachen. Sie mussten unter menschenverachtenden Bedingungen schwere Arbeit verrichten, lebten unter desaströsen Bedingungen, wurden misshandelt und getötet. Es ist gut, dass es KZ-Gedenkstätten wie in Neuengamme gibt, denn nur so kann man verhindern, dass das Leid dieser Menschen in Vergessenheit gerät.