Die Physiker – Eine Aufführung der Q1ks
„Was einmal gedacht, kann nicht mehr zurückgenommen werden“, so drückt es Friedrich Dürrenmatt 1961 in seiner bekannten Komödie „Die Physiker“ aus. Dieses bekannte Zitat spielt auch in der modernen Aufführung der Q1ks eine große Rolle, die als Projekt des DSP-Kurses am 03. Juni im Schulzentrum-Süd aufgeführt wurde.
Moderne Interpretation mit zeitloser Botschaft
Im originalen Werk von Dürrenmatt geht es vor allem um die Verantwortung, die die Wissenschaftler haben, welche am Bau der Atombomben mitgewirkt haben, die 1945 hunderttausende Menschen ihr Leben kosteten. So beruht die Erfindung der Atombombe doch auf der revolutionären Entdeckung der Kernspaltung durch Lise Meitner, Otto Hahn und Fritz Strafmann im Jahr 1938. Als diese ihre Ergebnisse veröffentlichten, ahnten sie vermutlich noch nicht, welche verheerenden Folgen ihre Entdeckung haben würde.
Zwar ist das Thema atomare Waffen in letzter Zeit wieder sehr aktuell geworden, jedoch sind durch den technologischen Fortschritt der letzten Jahre auch neue Dilemmata hinzugekommen. Deshalb hat sich die Q1ks dazu entschieden, Dürrenmatts Komödie etwas umzuschreiben, um einen stärkeren Aktualitätsbezug herzustellen. So ging es in der neu interpretierten Aufführung nicht mehr um Kernwaffen, sondern um künstliche Intelligenz und die Verantwortung, die ihre Erfinder tragen. Den meisten ist bestens bekannt, dass KI neben ihrem Nutzen und ihren Vorteilen, auch große Gefahren birgt.
Ebendiese Gefahren und die damit verbundene Verantwortung der Erfinder diskutiert die Q1ks in ihrem Stück, indem sie die klassische Handlung von Dürrenmatt mit modernen Elementen verbindet. So waren auf der Bühne beispielsweise ein Fernseher und mehrere Windows-Symbole zu sehen, die den technischen Bezug der Aufführung zusätzlich unterstrichen. Auch die Smartphones der Schülerinnen und Schüler wurden auf der Bühne häufig verwendet, was das Theaterstück noch moderner machte. Fast hatte man hierbei das Gefühl, dass sich das Stück in der heutigen Zeit abspielt, da das Smartphone für die meisten heutzutage fest zum Alltag dazugehört.
Die Handlung
Im Wesentlichen handelt das aufgeführte Stück von einem Physiker, Möbius, welcher eine psychische Erkrankung vortäuscht und sich somit selber in eine Nervenheilanstalt begibt, um die Welt vor seinen Forschungen zu schützen. Diese wären so mächtig und gefährlich für die Welt, dass er verhindern möchte, dass sie an die Öffentlichkeit gelangen. In Dürrenmatts Originalstück geht es hierbei um nukleare Waffen, in der moderne Aufführung der Q1ks geht es um eine besonders mächtige Künstliche Intelligenz. Da mit solch mächtigen Werkzeugen aber auch sehr viel Geld verdient werden kann, geben sich zwei Agenten als ebenfalls psychisch kranke Physiker aus, um an Möbius` Erkenntnisse zu gelangen. Am Ende des Stückes erkennen die beiden Agenten jedoch, wie wichtig es ist, die Welt vor den Folgen dieser Forschungsergebnisse zu schützen und entschliessen sich freiwillig dazu, in der Nervenheilanstalt zu verbleiben.
Zusammenfassend bleibt zu bemerken, wie gut es der Q1ks gelungen ist, Dürrenmatts klassische Komödie modern zu interpretieren und umzusetzen. Die harte Arbeit, die die Schülerinnen und Schüler das ganze Schuljahr lang in die Umsetzung dieses Stückes gesteckt haben, hat sich wirklich gelohnt!
Behind The Scenes
An dieser Stelle gibt es nun noch einen kleinen Einblick, was beim Theaterstück alles so hinter den Kulissen passiert ist, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass wir „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt aufgeführt haben und wie unser Arbeitsprozess aussah.
Ganz am Anfang unseres Arbeitsprozesses stand die Frage, welches Theaterstück wir inszenieren und aufführen wollen. Um diese Frage zu beantworten, haben wir alle zunächst verschiedene Komödien und Dramen einzeln herausgesucht und sie anschließend im Plenum vorgestellt. Bei der Suche eines geeigneten Stücks mussten wir dabei immer die Fragen im Hinterkopf behalten, warum gerade wir das jeweilige Stück zu genau diesem Zeitpunkt aufführen sollten.
So kristallisierten sich nach einem Pitch, bei dem alle die Möglichkeit hatte, ein Theaterstück detaillierter vorzustellen, das ihm besonders gut gefällt, recht schnell zwei klare Favouriten heraus: „Der gute Mensch von Sezuan“ von Bertholt Brecht und „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt. Um uns zwischen diesen beiden Stücken zu entscheiden, hatten wir die Möglichkeit, in einer Leseprobe jeweils die Anfänge des Theaterstücks laut und mit verteilten Rollen zu lesen. Dadurch haben wir schon mal einen ersten Einblick in die Atmosphäre des Stücks bekommen und wir haben uns schließlich einstimmig für „Die Physiker“ von Dürrenmatt entschieden.
Nach der Entscheidung für ein Stück ging die eigentliche Arbeit an unserer Inszenierung los. Damit diese Arbeit effizienter gestaltet wird, haben wir uns in vier Spezialteams (Regie, Dramaturgie, Produktion und Szenographie) aufgeteilt, die für verschiedene Aufgaben zuständig waren.
Sobald die Dramaturgie die erste Textfassung des Stückes fertig gestellt und die Regie Rollenkarten zur besseren Übersicht über die Hauptfiguren erstellt hat, war unser nächster Arbeitsschritt die Verteilung der Rollen. Hierfür gaben alle jeweils drei Rollenwünsche an, die die Regie anschließend bei der Erstellung der Rollenverteilung so gut wie möglich berücksichtigte.
Nachdem nun alle eine Rolle hatten, ging es mit den richtigen Proben los. Der gesamte Probenprozess lässt sich dabei in drei unterschiedliche Phasen einteilen: die Sprechproben, die Schauspielproben und die Requisitenproben. Bei den Sprechproben haben wir zuerst nur geübt, unseren Text in der richtigen Geschwindigkeit, mit der richtigen Betonung und in einem passenden emotionalen Ausdruck vorzulesen. In den darauffolgenden Schauspielproben kamen anschließend die Aspekte Mimik, Gestik und Aufstellung im Raum hinzu, da wir nun schon versuchten, die Szenen wie später auf der Bühne zu spielen.
Zu guter Letzt kamen dann die Requisiten hinzu und wir erarbeiteten uns, wie man Gegenstände wie Fotokameras, Lampenschnüre und Schachfiguren am besten einsetzen kann. Am Ende jeder dieser Probenphasen erfolgte schließlich eine Abnahme, die von Herrn Hoffmann und Mitgliedern der Regie durchgeührt wurde. Hier präsentierten die Schauspielenden der jeweiligen Szene, was sie zuvor erarbeitetet haben und erhielten anschließend Feedback darüber, was sie noch verbessern können.
Am intensivsten fand unsere Probenarbeit dabei an den Probentagen vom 27.05. – 02.06. statt. Hier probten wir zunächst noch in unserer Schule und später dann auf der richtigen Bühne am Lise-Meitner-Gymnasium, um alle Abläufe und Szenen perfekt einzustudieren. An diesen Probentagen spielten wir das Stück auch zum ersten Mal im Ganzen durch, da wir vorher nur einzelne Szenen geprobt haben.





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