Interview mit Herrn Rauschenbach
Stellen Sie sich doch einmal kurz vor.
Mein Name ist Stephan Rauschenbach. Ich bin jetzt seit 11 Jahren an dieser Schule. Ich habe erst in Norderstedt gewohnt und wohne jetzt seit acht Jahren in der Nähe von Bad Bramstedt in einem kleinen Dorf mit meiner Frau und meinen zwei kleinen Kindern, die sechs und vier Jahre alt sind.
Warum haben Sie sich dazu entschieden, Lehrer zu werden?
Also eigentlich wollte ich das gar nicht machen, also ich war nicht dagegen, aber ich habe das nicht in Erwägung gezogen. Ich hatte erst erwogen, ob ich länger Soldat bleiben würde, da wurde ich auch angesprochen, ob ich das länger machen würde, hatte aber den festen Plan, Abitur zu machen und ich hatte schon einen festen Schulplatz zugesagt bekommen und deswegen habe ich das verworfen. Ich wollte eigentlich zur Polizei gehen, das stellte ich mir auch ganz interessant vor, allerdings wollte ich unbedingt zur Kriminalpolizei. Das hat dann nicht ganz funktioniert. Und da ich eigentlich ursprünglich gelernter Erzieher bin, hatte ich immer das Gefühl, dass ich gut mit Menschen klarkomme und Leute weiterbringen kann, also dass Lehren im gröberen Sinn mir liegt.
So habe ich gedacht, dann studierst du mal Englisch und Spanisch, zwei Sprachen, in denen ich auch gut war. Dann kann ich ja dafür Lehrer werden und falls es in der Schule doch nicht funktioniert oder mir nicht gefällt, dann wollte ich auf jeden Fall auf höheres Lehramt studieren, damit ich promovieren kann und vielleicht noch irgendetwas Anderes machen kann. So sind es dann Englisch und Geschichte geworden, weil es mit Spanisch dann doch zu viele Sprachen waren. Meine Erfahrungen dann in den Schulen waren auch sehr positiv und auch da wurde mir von meinen Ausbildern gesagt: „Das können Sie. Machen Sie das, das ist gut.“ Und bisher habe ich es auch nie bereut.
Und Sie haben früher im Englischunterricht erzählt, dass Sie mal in Schottland waren?
Ich war über den deutschen pädagogischen Austauschdienst Assistenzlehrer in Großbritannien. Man konnte auf einer Karte auswählen, wo in Großbritannien man gern hin möchte und da dachte ich, Schottland sei vielleicht ganz interessant. Das war es auch und da war ich dann Deutschlehrer an drei verschiedenen Schulen. Das war sehr schön. Ich hatte immer montags bis mittwochs Schule, also jeden Tag eine andere Schule, und die anderen Tage hatte ich dann frei, um das Land kennenzulernen. Das war wirklich sehr prägend. Aber ich habe nicht das schottische Englisch übernommen. Ich kann es aber ein bisschen sprechen und verstehe es auch ziemlich gut.
Und wie sind Sie dann an diese Schule gekommen?
Ich musste ja noch zu Ende studieren. Das war während des Studiums, also nach dem Grundstudium. Und da musste ich dann noch fertig werden. Und an diese Schule kam ich dann etwas umständlich.
Ich habe ja in Kiel studiert und bin dann fertig geworden. Am ersten Tag, nachdem ich mein Examen hochgeladen hatte für das Bewerbungsverfahren, rief mich eine Schule in Wedel an und fragte, ob ich nicht unbedingt da anfangen könne und das habe ich dann auch gemacht, nachdem ich mir habe versichern lassen, dass ich auch eine volle Stelle dort bekomme. Für eine Dreiviertelstelle wäre ich den Weg nicht gefahren. Ich habe gesagt, hundert Prozent mache ich, aber sonst lohnt sich das nicht. Die meinten, das kriegen wir schon hin, Hauptsache, Sie kommen.
Das war der Landrat und der guckte sich eigentlich nur meinen Lebenslauf an und meinte: „Ach ja, Sie waren Fallschirmjäger, das ist ja gut, dann bringen Sie den Kindern etwas bei.“ Also es war eine etwas andere Akzentuierung, die ich da machen musste, das war jetzt keine militärische Ausbildung, aber es war ganz lustig. Die Hälfte des Englischkurses wurde von meiner Englischkollegin unterrichtet, das waren aus heutiger Sicht die beschulungsfähigen und die nicht beschulungsfähigen, die hatte ich. Und die Jungs, es waren alles Jungs, waren ganz interessiert, was ich so gemacht hätte und haben mir von irgendwelchen Waffen aus Computerspielen erzählt und mich gefragt, ob ich die kennen würde. Und das war ganz lustig, weil ich konnte tatsächlich sagen: Ja, kenne ich, habe ich benutzt, ist gut oder ist nicht so gut. Und so war dann der Weg dahin und dann konnten wir auch ein bisschen Unterricht machen, also das war schon ganz gut. Und an der Schule konnte ich aber nicht bleiben, weil ich ja noch kein Referendar war.
Meine Englischkollegin hatte einen Tennispartner, der Schulleiter in Schenefeld am Gymnasium war, und sie brauchten einen Englischlehrer als Vertretungslehrer. Und so bin ich dann dahin gekommen und stellvertretender Schulleiter, der die Schule dort dann übernommen hat, das war Carsten Apsel (ehemaliger Schulleiter des LGN), den ich interessanterweise nach vielen Jahren dort wiedergetroffen hatte.
Ich hatte ihn nämlich das letzte Mal gesehen, als wir uns in der vierten Klasse in der Grundschule voneinander verabschiedet hatten. Das war so unglaublich, das war so eine Verbindung, das beruhte ja auch auf gemeinsamen Erinnerungen. Wir kannten uns und so war das dann klar. Den Job hatte ich vorher schon, insofern hatte das keinen Einfluss darauf. Dann war ich ein halbes Jahr in Schenefeld als Vertretungslehrer und dann habe ich einen Referendariatsplatz bekommen und habe mein Referendariat dort fertig gemacht. Herr Apsel wechselte dann auch die Schule und da ich an der Schule ja auch am bilingualen Unterricht gearbeitet habe, da hatten wir Bili für Geschichte und für Englisch, habe ich da auch Abitur mit meinem Mentor, Peter Petersen, abgenommen.
Und Carsten Apsel wollte diesen Bili-Zweig ja auch hier aufbauen und wusste, dass ich das auch kann. Und zusätzlich war es auch so, dass ich bei meiner bisherigen Arbeitstätigkeit als gelernter Erzieher neben dem Studium ja für Menschen mit Behinderung gearbeitet habe. Da war es ja mit der alten Landesregierung auch so, dass auch diese Inklusion an den Gymnasien stattfinden sollte. So war eigentlich die Idee, dafür jemanden zu haben, der da Expertise hat. Und das war ich, und das wusste Carsten Apsel auch. Er hat mich dann angesprochen, ob ich schon einen anderen Job hätte und ob ich nicht kommen könne. Da muss man sich natürlich bewerben, das ist ja klar, da konnte ich mich auch gegen die Anderen durchsetzen. Erst war ich hier als Vertretungslehrer und später dann mit Planstelle. Und so bin ich an diese Schule gekommen.
Wenn Sie generell ein neues Unterrichtsfach einführen dürften, welches wäre das?
Das ist schwierig, ich habe ja jetzt schon Fächer, die viele Sachen miteinander verknüpfen. Ich wüsste jetzt gar nicht so einen griffigen Titel dafür, weil so viele Sachen miteinander verbunden sind. Was ich aber glaube, ist, dass es ein Fach sein sollte, das Englisch als Verkehrssprache hat. Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass Englisch eine Fremdsprache ist. Also ich glaube, wenn es vielleicht so eine Art Konversationskurs wäre, das wäre inhaltlich natürlich relativ flach, aber man könnte gleichzeitig tiefer in bestimmte Sachen eintauchen, was Schüler bewegt und was wichtig ist. Ich glaube, das wäre inhaltlich schon eine ziemliche Tiefe, die man erreichen könnte.
Der Titel wäre dann vielleicht „Konversationskurs“. Das wäre etwas, weil ich wirklich glaube, dass wir das einfach ausdehnen müssen und das ist ja auch meine geheime Mission. Obwohl ich glaube, so geheim ist die gar nicht. Jeder, der mich fragt, dem sage ich das auch, dass ich glaube, wir brauchen einfach mehr Fächer auf Englisch. Auch als Gymnasium und vielleicht auch um uns als Gymnasium in Norderstedt zu profilieren. Was in meiner Erfahrung auch funktioniert, das habe ich mit Ihnen ja auch gemacht, ist, dass die Verwendung des Englischen sich im Laufe der Zeit auch relativ schnell als gegeben etabliert. Und das sehe ich bei den jetzigen Sechstklässlern, die ich jetzt ein Jahr habe, und da wird das gar nicht mehr in Frage gestellt. Das ist, wie es ist. Und dann läuft das.
Sie haben früher im Englischunterricht auch schon immer gern von Ihren Pferden erzählt. Wie gestalten Sie Ihre Freizeit?
Ich hatte früher zwei Pferde, jetzt habe ich zwei Kinder. Das ist natürlich nicht das Gleiche, aber ich vermisse den Sport schon, also jedenfalls in dem Maße, in dem ich es vorher gemacht habe. Aber ich erfreue mich jeden Tag an meinen beiden wunderbaren Kindern und jetzt ist es so, dass sich auch schon die Kinder ein bisschen für Ponys interessieren. Ich sehe das immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge, weil ich weiß, wie viel Arbeit und Geld da rein fließt und jetzt machen wir Ponyreiten ab und zu mal und das reicht eigentlich auch.
Die Kinder sind natürlich, gerade weil sie auch noch so klein sind, sehr zeitintensiv. Das klingt so nach Arbeit, aber es ist eine wunderschöne Zeit. Und wir haben das Haus und den Garten und da steckt auch viel Arbeit drin. Mit den Kindern mache ich viel. Meine Frau hat eine neue Arbeit angenommen und in den letzten Sommerferien habe ich die Kinder dann immer in den Kindergarten gebracht. Und ich habe mit der Großen den ersten Schwimmkurs gemacht, sie hat ihr Seepferdchen, das ist eine große Sache. Insofern ist die Freizeit von der Familie geprägt, und zwar viel, viel stärker als sie es vorher war. Ich muss meine Arbeit auch viel stärker strukturieren, damit ich eben diese Zeit auch nutzen kann.
Dann kommen wir auch schon zur letzten Frage: Gibt es einen Rat, den Sie Schülerinnen und Schülern gern mit auf den Weg geben würden?
Vielleicht einen langen Atem zu behalten und zu schauen, dass man Ziele auf vielen Wegen erreichen kann. Und ich nehme mich da als Beispiel. Ich hätte nie gedacht, dass ich hier mal irgendwann landen würde und wenn ich mir den Weg anschaue, sind das schon lange und verschlungene Pfade. Ich kann nur sagen, man darf nicht den Mut verlieren, weil man manchmal gar nicht weiß, wo man eigentlich ankommt und man ist dann zufrieden, wo man ist, obwohl man vielleicht gedacht hatte, ganz woanders hinzukommen.
Vielen Dank für das Interview!




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